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Karin leidet unter einer unheilbaren Geisteskrankheit. Gemeinsam mit ihrem Mann David, ihrem Bruder Frederik und ihrem Vater David macht sie Urlaub auf einer Osteseeinsel, als die Krankheit ausbricht, was alle Anwesenden zwingt, sich mit unangenehmen Wahrheiten auseinanderzusetzen.

  • W780
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Kritik

„Männlichkeit ist wichtiger als Gesundheit.“

Ingmar Bergman (Das siebente Siegel) hat sich Zeit seines Schaffens immer wieder aufgemacht, die Existenz Gottes zu ergründen. Dass es sogar eine inoffizielle Trilogie des Glaubens geschaffen hat, wurde ihm indes erst im Nachhinein klar. Doch die thematische Ähnlichkeit, die die Filme Wie in einem Spiegel, Licht im Winter und Das Schweigen durchdringt, ist nicht von der Hand zu weisen. In allen drei Werken versuchen die Charaktere, sich mit Gott zu arrangieren; Einen Weg zu finden, der sie näher zu Gott bringt – oder sich letztlich auch der Erkenntnis stellen müssen, dass ihr Dasein und die Gegenwart Gottes nicht in einen Einklang zu bringen sind. So hoffnungsvoll, wie Ingmar Bergman in Wie in einem Spiegel agierte, aber sollte eine Ausnahmestellung in seinem meisterhaften Output bleiben.

Ausgetragen wird der für den Besten ausländischen Film mit dem Oscar prämierte Wie in einem Spiegel auf einer Ostseeinsel, auf der Karin (Harriet Andersson, Ach, diese Frauen), ihr Vater David (Gunnar Björnstrand, Wilde Erdbeeren), ihr Bruder Peter (Lars Passgard, Die fünfte Frau) und ihr Ehemann Martin (Max von Sydow, Hannah und ihre Schwestern) ein Familientreffen abhalten. Dass Karin an einer unheilbaren Krankheit leidet, weiß nur ihr Gatte, doch die Wahrheit wird im Verlauf der sich über 90 Minuten erstreckenden Handlung nach und nach an die Oberfläche getragen. Interessant an Wie in einem Spiegel, ist es zu beobachten, wie sich das innerfamiliäre Geflecht in ihren Gemütslagen in immer größere, schmerzerfüllte Bewegungen versetzt. Karins Gesundheitszustand legt sich wie eine schwarze Wolke über das Charakterkonstrukt – doch Bergman glaubt an Sonnenschein.

Es wäre selbstverständlich vermessen, zu behaupten, Wie in einem Spiegel artikuliere sich in der Auflösung seiner psychologischen Motive zu naiv. Egal, wie zuversichtlich Ingmar Bergman auch agieren mag, seine Filme gestalteten sich niemals einfältig. Warum sich Bergman allerdings negativ über Wie in einem Spiegel äußerte, ist angesichts der Geborgenheit, die der schwedische Meisterregisseur seinen Charakteren in Aussicht stellt, durchaus nachvollziehbar. Sicherlich gehört Wie in einem Spiegel nicht zu seinen künstlerischen Sternstunden, doch ohne Zweifel kann man hier immer noch Zeuge eines nachdenklich stimmenden Seelendramas werden. Herz und Seele des Films ist die Auseinandersetzung mit psychischen Krankheiten – Die Innen- sowie die Außenperspektive. Die Lügen aus Liebe, die Selbstverleugnung, die Verzweiflung. In den bedrückenden Schwarz-Weiß-Bildern jedoch bleibt nicht das Leid zurück, sondern ein erbaulicher Gedanke, genau diesem zu entfliehen.

Fazit

Ein, für Ingmar-Bergman-Verhältnisse, fast schon besinnliches Filmerlebnis. Dass sich der Meister selbst am liebsten von "Wie in einem Spiegel" distanziert hätte, ist der Geborgenheit geschuldet, die dieser Film ausstrahlt. Und auch wenn Bergman erbaulicher agieren mag, als in seinen cineastischen Sternstunden, so bleibt "Wie in einem Spiegel" ein nachdenklich stimmendes Seelendrama, in dem man sich intensiv mit der Innen- und Außenperspektive von psychischen Krankheiten auseinandersetzt. In der Hauptrolle fungiert außerdem eine absolut hervorragende Harriet Andersson.

Autor: Pascal Reis

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