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Katie studiert und ihr Freund Micah, mit dem sie in San Diego eine Wohnung teilt, ist freier Börsenmakler. Katie glaubt, seit Kindheitstagen von einem unsichtbaren Wesen heimgesucht zu werden. Micah will der Sache auf den Grund gehen und filmt nachts mit einer DV-Kamera in ihrem Schlafzimmer. Erst sind nur Geräusche zu hören, doch dann wird der Geist mit zunehmender Aggressivität auch sichtbar. Katie bekommt es immer mehr mit der Angst zu tun. Ein Parapsychologe rät ihnen, möglichst keinen Kontakt mit dem Geist aufzubauen.
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Kritik

Als Liebhaber von Horrorfilmen erlebt man aktuell schwere Zeiten: Zwar gibt es viele sehr sehenswerte Genre-Vertreter und auch ein paar aufstrebende Regisseure wie David Robert Mitchell (It Follows) oder Jordan Peele (Get Out) , die mit ungemeiner Originalität punkten,  doch vor allem die großen Mainstream-Filme a la The Nun, Insidious: The Last Key und Slender Man sind nicht nur schwach, sondern vor allem unambitioniert. Wir begegnen reinen Geisterbahn-Filmen, die mit Jumpscares hinter jeder Ecke lauern, möglichst billig produziert sind und mit keinerlei Inhalt hinter der Fassade aus Wackelkamera, Schreien und schlecht animierten Dämonen aufwarten. Natürlich lässt sich eine solche Entwicklung nicht auf den Erfolg eines einzelnen Filmes zurückführen, jedoch wird der enorme Erfolg von Paranormal Activity nicht nur die Produktion zumeist sehr schlechter Sequels und Prequels veranlasst haben, sondern wird auch den Dreh des einen oder anderen Found-Footage-Streifen in die Wege geleitet haben, ein unsäglicher Hype, der glücklicherweise langsam ein Ende zu finden scheint. 

Paranormal Activity ist deshalb ein interessanter Film, weil man an ihm viele der größten Probleme des gegenwärtigen Mainstream-Horrorfilms festmachen kann und es gleichzeitig einige Stärken zu entdecken gilt, die dafür gesorgt haben, dass dieser Film allgemein positiv rezipiert worden ist. Aktuell scheitern viele Horrorfilme daran, dass sie ein Erlebnis kreieren wollen, dass sie den Zuschauer durch dauerhaftes Erschrecken entertainen wollen. Gute Horrorfilme funktionieren jedoch anders, sie werfen den Blick auf einen psychologischen, gesellschaftlichen oder politischen Aspekt des menschlichen Daseins und ziehen daraus ein atmosphärisches Szenarium, das nicht nur unterhaltsam, sondern vor allem intelligent analytisch daherkommt. Schauen wir uns den großartigen Halloween von John Carpenter an, lernen wir etwas über das Irrationale der Angst, bei Nightmare - Mörderische Träume von Wes Craven verschwimmen die Grenzen zwischen Alptraum und Realität, während bei aktuelleren Filmen wie Get Out intelligente Liberalismuskritik bezüglich des unterschwelligen Rassismus dargestellt wird. Wofür steht Paranormal Activity

Natürlich kann man einen inhaltlichen Anhaltspunkt für eine Interpretation finden. Man könnte von der Aufarbeitung kindlicher Traumata ausgehen, da Katie (Katie Featherston, The River) schon in jungen Jahren das Gefühl plagt, dass sie von einem Geist verfolgt wird. Diese durchaus interessante Ausgangssituation ist jedoch nicht Kern des Filmes, sondern bestenfalls ein netter Rahmen, für das eigentliche Erlebnis, dem man sich stellen soll. Im Endeffekt geht es vor allem um die Aufnahmen bei Nacht, bei denen man mit gespannten Blicken die Leinwand abtastet, in dem Wissen, dass jeden Moment eine Tür zu knallen oder ein Stuhl durch den Raum fliegen könnte. Dieser inhaltlichen Leere begegnen wir im Mainstream-Horrorfilm andauernd, doch noch einem etwas subtileren Aspekt begegnen wird ständig. 

Micah (Micah Sloat, The Death and Return of Superman) , der Freund der verfolgten Katie, versucht den paranormalen Aktivitäten mit dem permanenten Filmen der Räumlichkeiten auf den Grund zu gehen. Das tut er jedoch interessanterweise nicht erst, wenn die Türen knallen, sondern schon zu Beginn. Der Zuschauer wird demnach nicht in ein Szenarium geleitet, dass sich sukzessiv in eine bestimmte Entwicklung bewegt, sondern in eines, das von Anfang an geklärt ist und deren Beleg wir nur noch finden müssen. Damit kürzt Paranormal Activity einen der reizvollsten Nebeneffekten weg, den des Entdeckens, des grausigen Schauderns. Auch sehen wir durch die Kamera die genauen Abläufe, wir sehen die zuknallenden Türen und erhalten das unheimliche Knarren noch gratis dazu. Dabei besteht der Reiz doch vor allem in dem, was man nicht sieht, was man nur erahnt. Es wäre viel effektiver, wenn wir nicht sehen würden, wie eine Tür aufspringt, sondern lediglich mit den Protagonisten begreifen würden, dass eine am Vorabend noch geöffnete Tür am Morgen geschlossen ist. 

Wir erkennen an Paranormal Activity einen Trend, der das Horror-Genre aktuell besonders plagt: Jeder Stein muss umgedreht werden, jeder Mythos entmystifiziert werden. So ist beispielsweise Mama in der ersten Hälfte ein atmosphärischer Horrorfilm, der sich in der zweiten Hälfte leider nicht unterstehen kann, seine lächerlich wirkende Antagonistin zu präsentieren. Auch Slender Man zeigt Slender bereits innerhalb der ersten paar Minuten. Ein Extrembeispiel stellt jedoch das Conjuring-Universum dar, in dem wirklich jedes Detail erklärt werden muss. Das zeigt sich alleine daran, dass banale Nebencharaktere wie Annabelle oder die Nonne ihre eigenen Filme erhalten. Doch warum gibt es diesen Trend? Die Antwort ist simpel wie schlüssig: Diese Filme sind leicht zu konsumieren. Vor dem Film kann man sich schön mit seinen Freunden bekichern, wie sehr man sich doch wieder erschrecken wird, während des Filmes kreischt man ein paar mal auf und danach ist der "Spaß" auch wieder vergessen. Gute Horrorfilme bringen vielleicht nicht zum Kreischen, begleiten jedoch durch ihre inhaltliche Stärke länger und bezwecken den unbequemen Horror, erzwingen eine Konfrontation. 

Nun könnte man berechtigterweise den Einspruch einlegen, dass die Prämisse des Filmes, die auf Found-Footage basiert, es verlangt, dass Dinge gezeigt werden, dass wir sehen. Das stimmt und zeigt wie tiefgreifend das Problem des Filmes ist, es ist im Endeffekt nicht die Inszenierung als solche, sondern die Prämisse an sich, die ihn ins Leere führt. Found-Footage ist ein interessantes Format, eine interessante Ästhetik, die in den seltensten Fällen funktioniert und wenn dann bis auf in Ausnahmen wie Blair Witch Project vor allem in vereinzelten Szenen. Found-Footage bringt das sich immanente Problem mit sich, dass das Format erzählerisch ungemein einschränkt und zu absurden Situationen führt. In Paranormal Activity konnte man Zweiteres glücklicherweise weitgehend umfahren, Ersteres jedoch weniger. Die Prämisse es Filmes basiert auf dem Miterleben, dem Sehen von Allem und genau das ist der Genickbruch des Filmes, der dadurch zu einer reinen Geisterbahnfahrt avanciert. 

Doch was hebt dieses Werk nun von anderen Mainstream-Horrorfilmen ab? Vor allem die Cleverness, mit der er arrangiert wurde. Die Aufnahmen bei Nacht sind zwar reine Taschentricks, aber eben sehr gut umgesetzt. Die Jumpscares tauchen in einem selten guten Timing auf, die teils sehr langen Ruhepausen sind unerträglich und die voyeuristische Ästhetik des Filmes funktioniert insofern sehr gut, als dass wir das Bedürfnis haben, durch den Bildschirm zu springen und Katie und Micah aufzuwecken und zu warnen. Dieser Geschicktheit in der Manipulation begegnen wir recht selten und so zeigen Filme wie Annabelle  und Co. ihre inhaltliche Leere sehr viel deutlicher, weil diese durch den mangelnden Unterhaltungswert verstärkt in den Fokus gerückt wird. Bei Paranormal Activity lassen wir uns entertainen und merken erst im Nachhinein, wie dünn das Gesehene ist. 

Fazit

"Paranormal Activity" ist kein intelligenter Horrorfilm, dafür ist er inhaltlich zu dünn und in seiner Prämisse zu stumpfsinnig. Er ist eine reine und leicht konsumierbare Geisterbahnfahrt, aber eine, die gut funktioniert.  

Autor: Maximilian Knade

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