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1937 wird Tenzin Gyatso, Sohn einer tibetischen Bauernfamilie, als 14. Reinkarnation des "Buddha of Compassion" erkannt. Verehrt als bisher letzter Dalai Lama, wird der Junge von den größten Gelehrten seiner Nation erzogen und darauf vorbereitet, sein Volk zu regieren. Als 15jähriger wird der geistige und politische Kopf Tibets mit der Brutalität der chinesischen Invasoren konfrontiert. Dennoch weicht er nicht vom Prinzip der Gewaltlosigkeit ab. 1959 flüchtet der Dalai Lama ins indische Exil, das er bis zum heutigen Tag nicht aufgeben konnte.
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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Mit den Werken von Regisseur Martin Scorsese (Taxi Driver) verbinden sich assoziativ Filme über New York, die Unterwelt oder gebrochene Charaktere, aber auch dem Religiösen/Spirituellen war der streng gläubige Katholik immer wieder auch filmisch zugetan. Zuletzt mit dem grandiosen Silence, zuvor bereits mit dem damals bald skandalösen Die letzte Versuchung Christi. Dazwischen findet sich Kundun wieder, ein Film über das Leben des 14. Dalai Lama Tenzin Gyatso, bzw. den Lebensabschnitt in seiner tibetanischen Heimat, aus der er 1959 wegen der chinesischen Invasion nach langem, hartnäckigen Widerstand schließlich doch ins indische Exil flüchten musste. Bis heute konnte der inzwischen 83jährige nicht mehr dorthin zurückkehren.

In den knapp etwa 130 Minuten wird die Geschichte eines Bauerssohns aus ärmlichen Verhältnissen geschildert, in dem im Alter von 4 Jahren die Reinkarnation des Dalai Lamas erkannt wird. Schon früh als Heiligkeit verehrt ist seine Kindheit eigentlich ab diesem Zeitpunkt vorbei, zumindest im herkömmlichen Sinne. Wirklich in die Verantwortung gezwungen wird er allerdings erst als Teenager, als das neue, kommunistische China seine Ansprüche auf Tibet geltend macht. Es folgt eine schrittweise Invasion, gegen die sich der die absolute Gewaltfreiheit predigende Dalai Lama standfast widersetzt, allerdings mit seinem Appell an die Vernunft und Kompromissfindung auf lange Sicht chancenlos bleibt. Dieser Abschnitt, ab dem Einmarsch der Chinesen, nimmt auch den größten Part des Films ein, das Vorherige handelt Scorsese relativ schnell ab, was auch einen Schwachpunkt darstellt.

Denn einem Kind bereits so früh eine solche Bürde aufzuhalsen, es in die Position eines Übermenschen und bald allmächtigen Halb-Gottheit zu erheben, ist schon eine zwiespältige Angelegenheit, wobei der pazifistische und alles Lebende ehrende Gedanke hinter dieser Glaubensrichtung natürlich kaum angreifbar ist. Es wäre doch aber ein spannender und auch berechtigter Punkt, sich mit dem (mit Sicherheit) vorhandenen Konflikt eines Kindes in dieser Situation auseinanderzusetzen. Und selbst wenn sich nur die künstlerische Freiheit dazu genommen würde, warum nicht? Bei Die letzte Versuchung Christi hatte Scorsese damit weniger Probleme, was damals zu dem Sturm der Entrüstung aus Kreisen der christlichen Kirche führte. Vielleicht hatte er zu viel Respekt unerschütterliche Aspekte einer Religion zu hinterfragen, die nicht seine eigene ist? Grundsätzlich scheint er aber auch sehr darum bemüht, den Buddhismus und Tibet in keiner Weise auch nur ansatzweise negativ oder ambivalent zu zeigen, dafür ist Kundun fast schon mehr ein Politikum mit klar bezogener Stellung gegen die chinesischen Territorialansprüche und das grausame Vorgehen bei deren Umsetzung.

Sehr authentisch wirkend, fast ausschließlich mit tibetanischen und chinesischen Darstellern zum Großteil in Marokko gedreht (für China und Indien gab es keine Drehgenehmigung. Überhaupt gehört Scorsese seitdem zu den 50 Menschen, die ein lebenslanges Einreiseverbot für China haben), von Roger Deakins in opulente Bilder verpackt und mit einem fantastisch-mystischen Score von Philip Glass unterlegt ist Kundun mehr ein (halbes) Biopic, das den historisch-biographischen Ablauf bis zu einem bestimmten Ereignis schildert, den es dann in aller Ausführlichkeit dazu verwendet um seine Meinung dazu unmissverständlich publik zu machen. Das ist technisch ganz hervorragend gemacht und durchaus auch mitreißend, die eigentliche Hauptfigur bleibt dabei aber fast auf seinen Status, seine Taten und seinen moralischen Idealismus beschränkt. Wirklich Menschliches, Intimes oder eben auch Verletzliches gibt es nicht zu sehen. Irgendwie fehlt ihr dadurch die Tiefe und ein gewisser Zugang, obwohl es fast keine einzige Szene ohne sie gibt. Genauso seltsam wie eben auch bedauerlich.

Fazit

In dem, was der Film sein will, ist er ziemlich gut. Aber er hätte auch um einiges mehr sein können, was dann aber eventuell die Makellosigkeit seiner Heiligkeit in Frage stellen könnte. Daran ist es Scorsese eindeutig nicht gelegen, wohl wegen der eigenen Sympathie und der Intention, auf die Ungerechtigkeit gegenüber dem tibetanischen Volkes ohne Einschränkungen hinzuweisen. Man könnte hier von fehlendem Mut oder einer zu einseitigen Sichtweise sprechen, womöglich war es dem Regisseur aber eben nur wichtig, sich auf das Politische und Ethische in der Geschichte zu konzentrieren. Trotzdem schon recht sehenswert, insbesondere wegen der wundervollen Präsentation.

Autor: Jacko Kunze

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